Statistiken sprechen für Factoring im Mittelstand

Mit Factoring wird der Verkauf von Forderungen bezeichnet. Unternehmen verkaufen dabei ihre offenen und zukünftigen Forderungen an einen Factor, der seinerseits unverzüglich 80 % bis 90 % der Posten ausgleicht. Der als Sicherheit für potenzielle Reklamationen oder Rückgaben dienende Restbetrag wird abzüglich der Factoringgebühren dann ausgezahlt, wenn die Kunden des Unternehmens ihren Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind oder die Zahlungsfrist abgelaufen ist.

Je nach Factoringvariante kann der Factor auch das Delkredere – also das Risiko von Zahlungsausfällen – sowie Dienstleistungen aus dem Debitorenmanagement übernehmen. Dadurch sind Unternehmen adäquat abgesichert und profitieren von Einsparungen durch Outsourcing.

Interessant sind die individuellen Motive für den Einsatz von Factoring bei Unternehmen verschiedener Größenordnungen.

Vorteile für Unternehmen aller Größenordnungen

Nach Statistiken für das Jahr 2011 nutzten mittelständische Unternehmen zu mehr als 95 % das Factoring als Liquiditätssicherung für eine stabile Finanzierungsbasis, während knapp 93 % der Großkonzerne sich aus diesem Grund des Factorings bedienen. Eine stärkere Unabhängigkeit von Finanzinstituten und Banken ist hingegen bei 57 % der KMU sowie 57,7 % der Großunternehmen ausschlaggebend für die Nutzung von Factoring.

Risikoübernahme besonders für KMU wichtig

Ein größerer Unterschied wird erst bei dem Schutz vor Zahlungsausfällen deutlich, der für mehr als 53 % der Mittelständler und lediglich knapp 46 % der Großunternehmen als Motiv für die Nutzung von Factoring registriert wurde. Hier zeigt sich, dass insbesondere kleinere und mittelständische Betriebe in der Vergangenheit besonders unter der allgemein schlechten Zahlungsmoral gelitten haben. Niedrigere Eigenkapitalquoten und ein deutlich schmaleres Polster an Betriebsliquidität gelten in Kombination mit Forderungsausfällen nicht selten als Insolvenzgrund, weshalb die Übernahme des Delkredere durch den Factor als Entscheidungsgrund herangezogen wird.

Bilanzverkürzung & Rating

Durch das Factoring können die veräußerten Forderungen ausgebucht werden, wodurch es zu einer Bilanzverkürzung kommt. Im gleichen Zuge steigt regelmäßig die Eigenkapitalquote, die ausschlaggebend für ein gutes Rating ist. Das Rating ist wiederum wichtig für die Gewährung von Kreditmitteln zu vernünftigen Konditionen und andere Verhandlungen. Dennoch haben nur knapp 27 % der kleineren und mittelständischen Betriebe die Bilanzverkürzung als Grund für das Factoring angegeben, wobei den großen Unternehmen mit fast 44 % dieses Motiv wichtiger zu sein scheint.

Bei der Nutzung des Factorings als Wachstumsfinanzierung hingegen halten sich mittelständische Unternehmen mit 37,7 % und große Unternehmen mit 35,7 % fast die Waage.

Komfortlösungen durch Factoring

Mehr als 28 % der mittelständischen Unternehmen und knapp 25 % der Großkonzerne begrüßen die Möglichkeit, ihren Kunden durch das Factoring längere Zahlungsziele einräumen zu können. Bei fast 25 % der KMU wurde das Factoring darüber hinaus auch als Entlastung der Buchhaltung genutzt, während die großen Unternehmen nur zu 13,7 % diese Services nutzen. Mit 2,6 % im Mittelstand und 1,9 % bei Großunternehmen war lediglich mehr Flexibilität in der Preisgestaltung ausschlaggebend für die Nutzung des Factorings.

Im Ergebnis legen kleinere und mittelständische Betriebe deutlich mehr Wert auf die durch das Factoring gewährleistete Sicherheit, wobei auch die komfortablen Services im Bereich der Debitorenbuchhaltung durchaus geschätzt werden. Die großen Konzerne verschaffen sich durch Factoring mehr Unabhängigkeit, Flexibilität und ein besseres Rating, sodass alle Unternehmensgrößen von diesem alternativen Finanzierungsinstrument profitieren können.