Stilles Factoring

Diskreter Forderungsverkauf (31.10.2015)

Beim klassischen Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen aus Lieferung und Leistung an einen Factor, der unmittelbar bis zu 90 % der Rechnungssummen an das Unternehmen ausgleicht und die weitere Korrespondenz mit den Schuldnern übernimmt. Im Zuge dessen werden die Schuldner naturgemäß über die Einschaltung eines Factors informiert. Sie erhalten ein Anschreiben, in dem der Forderungsverkauf bekannt gegeben wird und werden gebeten, die fälligen Beträge auf das Konto des Factors anzuweisen.

Je nach Branche können Kunden jedoch sensibel reagieren, wenn sie von der Hinzuziehung eines Factors bemerken. Auch wird es oft problematisch, wenn für Forderungen ein Abtretungsverbot vereinbart worden ist, was häufig bei Geschäften mit Kunden aus dem öffentlichen Bereich der Fall sein kann. In diesen Fällen ist auch nach der Rechtsprechung zu § 354 a HGB das sogenannte “stille” oder “verdeckte” Factoring eine Alternative. Beim Stillen Factoring veräußert das Unternehmen seine offenen Forderungen nämlich an den Factor, ohne dass die Kunden darüber in Kenntnis gesetzt werden.

Ablauf im Unternehmen

Beim stillen Verfahren schickt der Factor den Schuldnern die vom Unternehmen vorbereiteten Rechnungen in neutralen Briefumschlägen und bittet um Ausgleich der fälligen Beträge. Bei der in den Rechnungen genannten Bankverbindung handelt es sich regelmäßig um ein vom Unternehmen errichtetes Sonderkonto, das jedoch an den Factor abgetreten wurde. Kontoinhaber ist dennoch das Unternehmen, sodass die Schuldner auch in diesem Bereich keine Hinweise auf den Forderungsverkauf erhalten.

Für die Kunden des Unternehmens ändert sich nichts. Das Unternehmen erhält hingegen innerhalb von durchschnittlich 48 Stunden einen Großteil der Rechnungssummen und kann frei darüber verfügen. Den Kunden selbst wird das normale Zahlungsziel eingeräumt, was auch zur Kundenbindung dient. Die kontinuierlich auf diese Weise zur Verfügung gestellte Liquidität macht Unternehmen unabhängig von anderen Finanzierungsformen und dient neben der professionellen Unternehmensführung auch dem Wachstum.

Verdecktes Factoring aus Sicht des Factors

Für den Factor ist Stilles Factoring mit einigen Risiken verbunden. Die Gesellschaft muss auf die Verifizierung der Forderungen verzichten und kann lediglich Nachforschungen über den jeweiligen Schuldner anstellen. Verglichen mit einem Blanko-Ankauf der Rechnungssummen leistet der Factor innerhalb kürzester Zeit je nach Vertragskonstellation bis zu 100 % der Forderung an das Unternehmen.

Verdecktes Factoring wird in der Regel als Inhouse Factoring durchgeführt, sodass auch die Kommunikation mit den Schuldnern sowie Buchhaltungsarbeiten und Inkassomaßnahmen dem Unternehmen selbst obliegen.

Stilles Factoring ist daher mit höheren Anforderungen an die Bonität verbunden und eignet sich demnach nicht für jedes Unternehmen. Grundvoraussetzungen für das stille Verfahren sind ausreichende Eigenkapitalquoten, optimale Gewinnsituationen sowie positive Geschäftsentwicklungen eines soliden und professionell geführten Unternehmens. Das mit der verdeckten Variante verbundene Risiko macht sich auch bei den Factoringgebühren bemerkbar, die in der Regel höher ausfallen als bei anderen Factoringarten.

Stilles Factoring im Kurzporträt:

  • Offene Forderungen werden ohne Information an Unternehmenskunden an Factor veräußert
  • Legitime Möglichkeit, Abtretungsverbote zu umgehen
  • Hohe Anforderungen an interessierte Unternehmen
  • Keine Auswirkungen auf die Kundenbindung
  • Schneller und unkomplizierter Liquiditätsfluss

Da sich auch Stilles Factoring flexibel gestalten lässt und die Konditionen je nach Anbieter variieren können, sollten Vergleiche unterschiedlicher Factoringgesellschaften eingeholt sowie sämtliche Beratungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Mehr Informationen unter www.nordwest-factoring.de


 

Warum gerade Onlineshops vom Stillen Factoring profitieren (09.03.2015)

Beim Kauf auf Rechnung handelt es sich um die beliebteste Zahlungsvariante deutscher Onlinekunden. Auch wenn eine Vielfalt an Zahlungsvarianten angeboten wird, nutzen etwa 50 % aller Onlinekunden den Rechnungskauf. Bei dieser Zahlungsart gehen die Händler jedoch in Vorleistung und müssen regelmäßig mehrere Wochen auf den Ausgleich ihrer Rechnungen warten. Darüber hinaus tragen die Händler beim Kauf auf Rechnung auch das Risiko, dass ein Kunde seinen Zahlungsverpflichtungen gar nicht nachkommt. Dieses Zahlungsausfallrisiko wird gerade bei Onlinekäufen als besonders hoch eingeschätzt.

Stilles Factoring für Onlineshops

Thorben Wengert / pixelio.de

Factoring gehört zu den Möglichkeiten, diese Risiken drastisch zu minimieren.

Factoring im Onlinehandel

Beim Factoring werden offene Forderungen unmittelbar bei ihrer Entstehung veräußert. Beim Onlineshopping kann dieser Vorgang je nach technischer Umsetzung sogar mit dem Mausklick auf den Bestellen-, Kaufen- oder Bezahlen-Button geschehen. Als Sonderform wird dabei gerne das Stille Factoring genutzt, bei dem das Factoringinstitut gegenüber den Onlinekunden gar nicht erst in Erscheinung tritt.

Diese Verfahrensweise geht für den Onlinehändler mit zahlreichen Vorteilen einher:

Risikofreier Rechnungskauf

Durch das Factoring lässt sich beim Rechnungskauf das Risiko von Zahlungsausfällen reduzieren. Bei Vorhandensein eines Factoringvertrages werden die offenen Forderungen automatisch durch die Factoringgesellschaft aufgekauft und ausgeglichen, die zugleich auch das Delkredere (Zahlungsausfallrisiko) übernimmt. Ausfallende Forderungen gehören demnach endgültig der Vergangenheit an.

Liquidität schon vor Zahlungsfrist

Durch den Forderungsverkauf erhält der Onlinehändler innerhalb von zwei Arbeitstagen den Großteil seiner Forderungen ausgeglichen. Das Onlineverfahren begünstigt dabei häufig eine noch schnellere Abwicklung, sodass der Shopinhaber weitaus früher über Liquidität verfügen kann, als es bei Ausschöpfung des normalen Zahlungsziels der Fall wäre.

Sichere Liquidität für mehr Planungssicherheit

Ein nicht absehbares Eintreffen von Zahlungen macht eine genaue Kalkulation unmöglich. Wenn nicht fest damit gerechnet werden kann, welche Kunden ihre Geschäfte innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels ausgleichen, erübrigt sich eine unternehmerische Kalkulation sogar vollständig. Gerade beim Rechnungskauf lassen sich viele Kunden vielleicht besonders viel Zeit, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, oder gehören zu den seltenen Sofortzahlern. Statt des dadurch völlig unberechenbar gewordenen Liquiditätsflusses bietet das Factoring sichere und planbare Liquidität.

Gezielter Einsatz der Liquidität

Onlinehändler werden von der Factoringgesellschaft kontinuierlich mit Liquidität versorgt, die sie beispielsweise auch zur Reduzierung von eigenen Verbindlichkeiten nutzen können. Dies kann das Verhältnis von Eigenkapital und Fremdkapital nachhaltig optimieren, was letztendlich auch der Bonität und dem Rating dient. Durch das Vorhandensein von Liquidität lassen sich hingegen auch Skontomöglichkeiten bei eigenen Einkäufen ausnutzen.

Outsourcing von Mahnwesen und Inkasso

Mit der Beauftragung eines Factoringinstitutes übernimmt dieses auf Wunsch auch buchhalterische Arbeiten sowie das Mahn- und Inkassoverfahren. Bis hin zur Übernahme der kompletten Debitorenbuchhaltung werden beim Factoring zahlreiche Services und Dienstleistungen angeboten, die ein Unternehmen entlasten. Die arbeitsintensiven Unternehmensbereiche werden ausgelagert, sodass frei gewordene Kapazitäten sich wieder den Kernkompetenzen widmen können.

Stilles Factoring ohne Einfluss auf die Kundenbindung

Beim Stillen Factoring wird der Kunde nicht darüber informiert, dass eine Factoringgesellschaft die organisatorischen Abläufe übernimmt und nach Forderungsverkauf Inhaber der Forderung ist. Potenzieller Schriftverkehr wird auf den Briefköpfen des Unternehmens geführt und auch die Kontoverbindung für die Zahlungen enthält keinerlei Hinweis auf den Forderungsverkauf.

Dies birgt für Onlinehändler den Vorteil, dass die Kunden nicht in irgendeiner Weise irritiert werden. Auch bei Onlinekunden kann es sich um einen sensiblen Kundenstamm handeln, der die Einschaltung eines “fremden Dritten” scheut. Um die Kundenbindung bei einer solchen Klientel nicht zu beeinflussen, wurde das Stille Factoring erschaffen.

Die Durchführung des Stillen Factorings ist jedoch für die Factoringgesellschaft mit erheblichen Risiken verbunden und wird deshalb an Voraussetzungen geknüpft. Hierzu gehören eine gute Bonität des Onlinehandels, eine stabile Gewinnsituation sowie eine bis zum Zeitpunkt des Factoringgeschäfts professionell und lückenlos durchgeführte Buchhaltung. Sind diese Anforderungen erfüllt und hat das Factoringinstitut die Bonität des Kundenstamms überprüft, steht einer langfristigen und erfolgversprechenden Finanzierungsalternative nichts mehr im Wege.