Factoring im aktuellen Mix der Unternehmensfinanzierung

Will ein Unternehmen heutzutage wachsen oder die Internationalisierung vorantreiben, braucht es Kapital. Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung sind zahlreich, aber abhängig von der Größe des Unternehmens, der Branche, in dem es aktiv ist und dem Bedarf an Liquidität. So sind verschiedene Finanzierungsmodelle anwendbar. Denkbar für ein expansionswilliges Unternehmen ist beispielsweise ein Bankdarlehen, ebenso wie ein Börsengang, eine Anleihen-Emission oder Factoring sowie Sale-and-Lease-Back – um nur einige der verfügbaren Modelle zu nennen. Vor- und Nachteile dürfte jedes Finanzierungsmodell aufweisen, daher ist es ratsam, einen vernünftigen Mix aus verschiedenen Finanzierungsmodellen anzuwenden.

Die Aufnahme eines Darlehens dürfte heute, bei dem aktuellen Zinstief, als eine attraktive Finanzierungsmöglichkeit erscheinen. Doch dabei ist zu bedenken, dass Sicherheiten und die Zurückhaltung der Banken wegen zukünftiger Eigenkapital-Anforderungen sowie die voraussichtliche Zinsentwicklung, ein solches Vorhaben ein Unternehmen noch relativ teuer zu stehen kommen kann.
Ein Börsengang erhöht zwar das Rating eines Unternehmens durch mehr Transparenz und ermöglicht auch eine direkte Beteiligung der Belegschaft am Erfolg. Doch dies bedeutet gleichzeitig, das Unternehmen aus den (Familien)Händen zu geben – was bei kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland die Regel ist. Bei der naheliegenden Alternative eines Einstiegs von einem Private Equity Fonds stellt sich die Frage nach der Perspektive, da solche Fonds meist nach drei bis sieben Jahren ihre Beteiligungen auch wieder verkaufen.

Factoring hingegen überschuldet das Unternehmen nicht, da die Finanzierung aus eigenen Kräften – über den Verkauf von Forderungen – erfolgt. Auch ist diese Finanzierungsmaßnahme sehr flexibel, sie kann alle oder nur auserwählte Forderungen betreffen und sie ist umsatzkongruent: Wächst der Umsatz mit einem Kunden, wächst auch die Finanzierung über den Forderungsverkauf. Möglicherweise aber deckt die über Factoring freigesetzte Liquidität nicht den gesamten Bedarf ab, so dass Factoring sich „nur“ als ein Bestandteil des Finanzierungsmixes eignet.