Factoring aus Sicht von Steuerberatern

Factoring ist ein Finanzierungsverfahren, das aus den USA stammt und erst seit einigen Jahren auch in Europa von immer mehr Unternehmen in Anspruch genommen wird. Das Verfahren besteht aus dem fortlaufenden Verkauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen an ein Factoring-Unternehmen. Dabei erhält dieses Unternehmen 80 Prozent des Brutto-Forderungsbetrages binnen kürzester Zeit überwiesen. Die übrigen 20 Prozent werden erst nach Begleichung der Forderung durch den Rechnungsempfänger überwiesen. Dieses Verfahren sichert einem Unternehmen schnell und unkompliziert Liquidität, meist zu geringeren Finanzierungskosten als etwa ein Bankkredit oder die Belastung des Kontokorrent.

Die Inanspruchnahme von Factoring generiert aber auch einige steuerliche Aspekte. So muss beispielsweise hinsichtlich der Umsatzsteuer zwischen „echtem“ und „unechtem“ Factoring unterschieden werden. Bei dem „echten Factoring“ wird die Forderung steuerfrei abgetreten. Das Factoring-Unternehmen kauft die Forderung möglichst günstig an und treibt bei dem Debitor seines Kunden möglichst viel von der Forderung wieder ein. Es wird kein Umsatz generiert. Somit liegt beim Factoring-Unternehmen keine unternehmerische Tätigkeit, da dieses sämtliche Dienstleistungen wie Mahnwesen, Bonitätsprüfung etc. im eigenen Namen durchführt. Bei dem „unechten Factoring“ bleibt das Unternehmen Inhaber der Forderung. Dabei erbringt das Factoring-Unternehmen gleichzeitig steuerfreie wie steuerpflichtige Leistungen.

Auch hinsichtlich der Gewerbesteuer sind Unterschiede zwischen den beiden Factoring-Arten zu beachten. Bei dem „echtem Factoring“ wird die Finanzierung als Verkauf von Forderungen und nicht als Aufnahme von Krediten betrachtet. So wird Liquidität generiert, ohne dass diese den Gewerbeaufwand als Dauerschuld erhöhen. Bei dem „unechten Factoring“ wird hingegen von Dauerschulden ausgegangen, da die Kreditvergabe durch Zufuhr von Liquidität zur Stärkung der Wirtschaftskraft des Unternehmens dient.