Factoring – Ein Finanzierungsmodell im Aufwind

Die deutsche Wirtschaft hat während der Eurokrise zugelegt. Der ehemalige „kranke Mann“ Europas ist zum Musterschüler geworden. Doch trotz guter Performance, Kennzahlen und prallen Auftragsbüchern steht kleinen und mittelständischen Unternehmen einen Anstieg der Finanzierungskosten voraus. Wie die Rating-Agentur Standard & Poor’s ausgerechnet hat, werden Unternehmen in Europa bis 2018 insgesamt 3,5 Billionen Euro an Kapital brauchen – den größten Teil, um Altlasten umzuschichten. Da Banken aufgrund der Basel-III-Anforderungen die Finanzierung risikoreicher Unternehmen immer öfter ablehnen werden, droht dem Mittelstand – auch dem deutschen – bald eine Kreditklemme.
Unter diesen Umständen macht es für Unternehmen Sinn, alternative Finanzierungsquellen anzuzapfen. Von allen bekannten Alternativen zum Bankkredit empfiehlt sich Factoring als schnelles und unkompliziertes Finanzierungsmodell. Hierbei verkauft ein Unternehmen Forderungen gegenüber Kunden an einen Factor. Dieser überweist binnen zwei Werktagen 80 Prozent der Forderung an den Verkäufer und kümmert sich weiterhin um den Einzug der Forderung beim Debitor. Hat dieser seine Verbindlichkeit getilgt, überweist der Factor nach Abzug der Gebühren und der Zinsen für die 80 Prozent auch den Rest des Forderungsbetrages. Damit erhält der Factoringnehmer Liquidität zu niedrigeren Kosten, als etwa bei einem Bankkredit, für den es auch noch Sicherheiten vorlegen müsste.
Tatsächlich ist Factoring nur eine der heute verfügbaren Finanzierungsalternativen, neben Leasing, sale-and-lease-back oder asset backed securities. Sie alle werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen, zulasten der herkömmlichen Bankfinanzierung.