Kurze Geschichte des Factoring

Factoring, der Verkauf von Rechnungen mit dem primären Ziel, Liquidität zu beschaffen, ist eine jahrtausendealte Praxis. Ein kurzer Überblick über die Entwicklung dieses Finanzierungsverfahrens deckt diese Tatsache auf. Verfeinert wurde das Verfahren allerdings erst in der Neuzeit.

Schon Babylonier betrieben Factoring

Anders, als manche denken, ist das Prinzip des Factoring – wonach künftige Einkommen lange vor dem Einzug in verfügbarer Liquidität durch Darlehen oder Bevorschussung umgewandelt werden – alles andere als neu. Nachweislich vor über 4000 Jahrenfinanzierten reiche Babylonier den Export von Waren in entlegene Kolonien. Forscher wollen im berühmten Codex von Hammurabi aus dem 18. Jahrhundert vor Christus Hinweise auf die Praxis, Rechnungen aufzukaufen, um sie später einzutreiben, entdeckt haben. Diese Praxis hat Berichten aus der Zeit zufolge auch im antiken Rom Anwendung gefunden.

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Im Mittelalter wiederentdeckt

Im dunklen Mittelalter hingegen sind die Prinzipien des Forderungsverkaufs etwas in Vergessenheit geraten. Zwar hatte sich das Prinzip noch vor der Gründung der ersten Banken etabliert, doch die gewannen langsam die Oberhand, vor allem durch die Finanzierung von Kriegen.

Erst mit der Festigung einer Schicht wohlhabender Händler ab dem 14. Jahrhundert rückte Factoring wieder etwas in den Mittelpunkt. In England wurden Textilverarbeiter immer mehr zu Vermittlern zwischen Herstellern und Kaufleuten, indem sie mit Rohstoffen für die Hersteller handelten und mit kurzfristigen Krediten für die Kaufleute. Die Tätigkeit des Factors wurde deutlich abgesteckt – er hatte sich auf den Verkauf von Waren auf fremde Rechnung zu konzentrieren. Dafür musste er für den Lieferanten Hafengebühren, Zoll usw. bezahlen – ließ sich das aber mit der vollständigen Kontrolle über die Ware absichern.

Im Mittelalter werden auch die wichtigsten Begriffe dieser Finanzierungsmaßnahme geprägt. Aus dieser Zeit rühren Begriffe wie Factoring und Delkredere her. Letzterer wurde 1771 vom Schweden John Hartman Eberhardt definiert, als das durch den Kommissionär zu übernehmende Risiko der Kreditwürdigkeit des Käufers. Zunächst trug der Lieferant das Kreditrisiko. Nach und nach aber begannen Factors, dieses Risiko zu übernehmen – gegen Bezahlung, versteht sich.

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In der Neuzeit konsolidiert

In der Neuzeit wurde Factoring schließlich langsam aber sicher zu einer ernstzunehmenden Alternative zur Bankfinanzierung. Ausschlaggebend waren die Industrialisierung und der damit einhergehende Boom des Welthandels ab dem 19. Jahrhundert. Vorreiter der Industrialisierung war Großbritannien und zusammen mit dem regen Handel mit den USA bildete sich so ein überaus fruchtbarer Boden für Factoring. Zu der Zeit waren Factors vor allem Vertriebsleute für die Waren aus Großbritannien und gleichzeitig Schuldeneintreiber. Von den eingezogenen Verbindlichkeiten stand ihnen dann ein Teil zu.

In Deutschland schließlich etablierte ein Mainzer Bankier Factoring in den späten Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts als ein gesamtheitliches Dienstleistungspaket, indem er für seine Kunden die Debitorenbuchhaltung übernahm. Mit der Zeit legten Factoring-Anbieter nach und boten auch die Übernahme des Mahnwesens und des Inkasso an. Später wurden sie immer flexibler, indem sie eine beliebige Kombination von Teilleistungen zuließen. So wurde der Forderungsverkauf zu einer überaus flexiblen Finanzierungsform.

Factoring hat, wie wir gesehen haben, eine sehr lange Tradition in der Wirtschaftsgeschichte. Zudem hat es diese Form der Umsatzfinanzierung geschafft, sich über die Jahrhunderte immer besser anzupassen, um erhalten zu bleiben. Heute überzeugt Factoring durch ein hohes Maß an Flexibilität.

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Unser nächstes Thema wird sich mit der Frage beschäftigen „Was ist Factoring ?“