Was ist, was kann und was leistet Factoring?

Im ersten Teil unseres neuen, ausführlicheren Überblickes über das Phänomen des Factoring haben wir uns mit der jahrtausendealten Geschichte befasst. Heute wollen wir auf die Leistungen von Factoring näher eingehen, denn diese Umsatzfinanzierung leistet viel.

Factoring ist...

Factoring bezeichnet den Verkauf von offenen Rechnungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen an ein Factoring-Unternehmen. Doch die genauere Bedeutung von Factoring unterscheidet sich von Kulturkreis zu Kulturkreis. So wird in den USA – dem Land, das diese Finanzierungsform international etabliert hat – unter Factoring vor allem die Absicherung gegen das Ausfallrisiko beim Debitor verstanden. In Europa steht die Finanzierungsfunktion von Factoring im Vordergrund.

Bankenstadt Frankfurt am Main

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Begriffliche Abgrenzung

Die Prinzipien von Factoring werden schon seit mehr als 4.000 Jahren angewandt, wie wir im vormaligen Beitrag gesehen haben. Doch bezeichnenderweise wurde erst 1988 eine allgemein gültige Definition von Factoring aufgestellt. Mit der UNIDROIT-Konvention wurde damals ein allgemein gültiges Regelwerk für Factoring geschaffen. Dort wird der Begriff „Factor“ genau abgegrenzt. Jemand der

  • Lieferanten vorfinanziert und
  • Debitorenbuchhaltung betreibt oder
  • Sich um den Einzug von Forderungen kümmert und
  • Gegen das Risiko des Zahlungsausfalles absichert

kann laut der Definition als Factor bezeichnet werden.

Rechtsgrundlagen

Ein eigenes Factoring-Gesetz gibt es in Deutschland nicht. Dort werden einige Aspekte des Forderungsverkaufes im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. In Österreich ist es das Bankwesengesetz, das gewisse Aspekte des Factoring bestimmt. Die Finanzierungsform ist aber auch international nicht zivilrechtlich geregelt. Daher gibt es auch keine normierten Verträge.

Rechtsgrundlagen des Factoring

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Funktionen von Factoring

Die meisten Factoring-Kunden dürften – klar – die Finanzierungsfunktion von Factoring vor Augen haben, wenn sie einen Fatoring-Vertrag unterzeichnen. Nach einer Prüfung und erfolgtem Verkauf der ausgewählten Rechnungen erhält der Forderungsverkäufer meist binnen 48 Stunden bis zu 80 Prozent des Forderungsbetrages überwiesen. Den Rest in Höhe von 20 Prozent des Rechnungsbetrages wird, nach Abzug aller Gebühren und Zinsen, nach Begleichung der Schuld durch den Debitor überwiesen. Damit wäre die Finanzierungsfunktion geklärt.

Factoring-Unternehmen aber bieten auch die Übernahme des Ausfallrisikos an. Droht beispielsweise eine Insolvenz des Debitors, liegt das Risiko, dass die betreffende Forderung nicht eingezogen wird beim Factoring-Kunden. Entscheidet sich dieser, auch die Versicherungsfunktion in Anspruch zu nehmen, kann er sich sicher sein, dass seine Rechnungen bezahlt werden. Das Factoring-Unternehmen ist ebenfalls abgesichert, in der Regel durch eine Kreditversicherung. Das erhöht natürlich die Kosten von Factoring, durch die Warenkreditversicherung. Doch dafür ist die Sicherheit entsprechend groß.

Drittens übt Factoring auch eine Dienstleistungsfunktion aus. Durch das Angebot der Factoring-Dienstleister, gewisse Leistungen im Zusammenhang mit den verkauften Forderungen mit zu übernehmen, geht die Leistung von Factoring einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung. Denn anders als Banken mit ihren Darlehen, leisten Factoring-Anbieter durch Übernahme von Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkasso weitaus mehr als Banken. Diese üben nur die Finanzierungsfunktion aus. Factoring-Anbieter hingegen tragen zur allgemeinen Entspannung der Finanzlage bei – und dies nicht nur durch Zufuhr von Geldmitteln sondern durch potenzielle Einsparungen von Personalkosten.

Dank dieser Auslagerung haben Unternehmen die Chance, sich wieder voll auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Außerdem lassen sich die Teilleistungen bedarfsgerecht miteinander kombinieren. Diese enorme Flexibilität verhalf Factoring dazu, sich als ernste Alternative zum klassischen Bankdarlehen durchzusetzen.