Risiken im Factoring Geschäft

So einfach das Factoring-Prinzip auch klingen mag – ein risikofreies Geschäft ist der fortlaufende Verkauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen nicht. Im Folgenden gehen wir auf die wichtigsten Risiken im Factoring-Geschäft ein. Dazu zählen das Bonitätsrisiko des Kunden, das Verwässerungsrisiko der Forderung und das Zahlungsrisiko des Debitors.

Bonitätsrisiko des Factoring-Kunden

Factoring-Gesellschaften sehen sich dem gleichen Bonitätsrisiko ausgesetzt wie auch Banken, wenn es sich um die Bonität eines Factoring-Kunden handelt. Denn auch Factoring-Kunden können in Zahlungsunfähigkeit enden, unabhängig von der Liquiditätszufuhr durch Factoring. Eine Zahlungsunfähigkeit kann schließlich von ganz anderen Faktoren herbeigeführt werden, als der Liquiditätsknappheit, die durch nicht zahlende Kunden entsteht. Dies können

  • Haftungsansprüche
  • mängelbehaftete Produkte
  • Naturkatastrophen oder
  • politische Umwälzungen

sein, um nur einige der Faktoren zu nennen, die unter Umständen ein Unternehmen kalt erwischen und in den Ruin treiben können. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind hier nicht ausreichend gut gegen solche Fälle geschützt. Factoring-Anbieter prüfen daher laufend die Bilanzen ihrer Kunden sowie deren wichtige Kennzahlen wie zum Beispiel die Kapitalausstattung.

Bonitätsrisiko des Factoring-Kunden

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Verwässerungsrisiko der Forderung

Es heißt, wenn die Forderung durch erbrachte Leistungen gedeckt ist und frei von Ansprüchen Dritter, dann hat das Unternehmen Anspruch auf Begleichung der Verbindlichkeit. Dem ist nicht so. Eine Forderung ist nie hundertprozentig sicher. Auch wenn eine Forderung ursprünglich zu Recht besteht, können künftige Ereignisse eine Forderung zunichtemachen.

Ein besonderes Risiko geht von Teillieferungen aus, weswegen Factoring-Anbieter generell die Finanzierung solcher Branchen vermeiden, in denen Teillieferungen an der Tagesordnung sind (Baugewerbe, IT-Branche u. a.). Auch wenn die Leistung erbracht wurde, kann es lange dauern (und kostspielig werden), bis eine solche Forderung durchgesetzt werden kann.

In Branchen, in denen Rückgaberechte eine große Rolle spielen – etwa der Handelsbranche – oder Gegenrechnungen üblich sind – etwa der Speditionsbranche – kann Factoring in der Regel kaum greifen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Rechnungen im Insolvenzfall beglichen werden, ist gering. Daher werden Factoring-Anbieter solche Fälle besonders genau begutachten. Im Zweifelsfall werden solche Kunden von einer Factoring-Vereinbarung ausgeschlossen.

Die Rückgabe von Waren, Forderungsminderungen, beziehungsweise Gutschriften, etwa wegen mangelhafter Produkte, können ebenfalls zu einer Verwässerung der Forderungen führen.

Zahlungsrisiko

Eines der größten Risiken im Factoring-Geschäft ist jenes des Zahlungsausfalls beim Debitor. Denn hat sich der Forderungsverkäufer nicht ausreichend im Vorfeld abgesichert, droht unter Umständen auch ihm die Insolvenz – und dem Forderungskäufer Kundenschwund und finanzielle Verluste. Factoring-Anbieter behelfen sich hierbei einer eingehenden und laufenden Prüfung der Debitoren, so dass Änderungen im Zahlungsverhalten schnell bemerkt werden können. Übernimmt ein Forderungskäufer auch das Delkredererisiko vom Factoringnehmer, so sichert der Anbieter sich mittels einer Rückversicherung gegen dieses Risiko ab. Für den Forderungsverkäufer bedeutet dies höhere Factoringkosten – aber auch eine erhöhte Sicherheit.

Wir haben im vorliegenden Beitrag sehen können, wie risikobehaftet das Geschäft mit dem Forderungsverkauf sein kann. Factoring-Anbieter haben aber auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich gegen solche Risiken abzusichern. Diese Absicherung kann zu einer Erhöhung der Factoringkosten führen.

Lesen Sie im nächsten Beitrag wie sich Factoring im Rechnungswesen einfügt und verhält.