Kredit, Inkasso oder Factoring – Liquiditätsprobleme richtig lösen

Ein Unternehmen hat immer einen hohen Anteil an fixen Kosten zu tragen. Neben Mieten, Versicherungen, Sozialleistungen und Personalkosten schlagen nicht selten auch Unsummen für Lieferungen von Materialien, Reparaturen oder Wartungen zu Buche. Wenn das Unternehmen jedoch hohe Außenstände zu beklagen hat und die Zahlungsmoral der Kunden nachlässt, ist guter Rat teuer. Das Geld wird schließlich auch benötigt, um weiterhin produzieren, liefern oder beraten zu können.

Um eine dauerhafte Optimierung der unternehmerischen Finanzlage zu erhalten, sollten sich folgende Fragen gestellt werden:

Ist ein Kontokorrentkredit dauerhaft tragbar?

Nahezu jede Hausbank, die ein Firmenkonto betreut, räumt seinen gewerblichen Kunden einen Kontokorrentkredit ein. Als befristet eingeräumte und auf einen bestimmten Saldo limitierte Kreditlinie ist ein Kontokorrentkredit verhältnismäßig teuer. Im Schnitt werden Zinsen zwischen 8 % und 10 % für die Überziehung fällig.

Wenn ein Unternehmen plötzliche Engpässe durch unvorhersehbare Ereignisse mit dem Kontokorrentkredit überbrücken möchte, steht dem nichts entgegen. Allerdings sträuben sich dank Wirtschaftskrisen und Marktschwankungen zahlreiche Finanzinstitute, jungen Unternehmen einen adäquaten Kreditrahmen überhaupt einzuräumen. Darüber hinaus ändert der Kontokorrentkredit nichts an der instabilen Situation im Unternehmen. Sofern dann nicht gezielt an der Finanzplanung gearbeitet wird, sollte ein Kontokorrentkredit nicht als Dauerlösung herhalten.

Inkasso – Vorteile und Risiken

Professionelle Inkassobüros kümmern sich um die Beitreibung von Außenständen. Naturgemäß müssen auch die Inkassobüros bezahlt werden, was je nach rechtlicher Situation dem Schuldner obliegt. Wenn dieser jedoch zahlungsunfähig sein sollte, fordert das Inkassobüro die Kosten für die Beitreibung inklusive Gerichtskosten und Auslagen beim Unternehmen ein. Lässt sich die Forderung nicht durchsetzen, bleibt das Unternehmen sogar noch auf höheren Kosten als der eigentlichen Forderung sitzen.

Sofern es sich demnach nur um Ausnahmefälle handelt, die nur wenige Kunden betrifft, könnte Inkasso die richtige Wahl sein. Dennoch sollte das Kostenrisiko sorgfältig abgewogen werden, wobei sich Gebühren und Auslagen nach dem Gegenstandswert der Forderung bemessen.

Leistungsbezogenes Geld durch Factoring

Beim Factoring werden alle Rechnungen des Unternehmens an einen Faktor verkauft. Nach Veräußerung der Forderung erhält das Unternehmen unmittelbar 80 % bis 90 % der Rechnungssummen zur freien Verfügung angewiesen. Die Restzahlungen erfolgen, mit Ausnahme der Factoringgebühren in Höhe von 0,1 % bis 2 % der Forderungen, bei vollständigem Ausgleich durch den Kunden.

Mit übertragen wird beim Factoring jedoch auch das Risiko, dass Kunden ihre Rechnungen gar nicht begleichen. Der sogenannte Delkredereschutz macht sich zwar bei den Factoringgebühren bemerkbar, gilt jedoch als unverzichtbar bei Unternehmen mit unübersichtlich großem und wechselndem Kundenkreis. Faktorgesellschaften nutzen verschiedene Kanäle, um bereits im Vorhinein Kundenbonitäten zu überprüfen und übernehmen auf Wunsch auch die komplette Debitorenbuchhaltung.

Durch das Factoring wird dem Unternehmen lediglich die Liquidität zur Verfügung gestellt, die es aus eigener Hände Arbeit bereits erwirtschaftet hat. Die Factoringgebühren richten sich dabei nach den individuellen Dienstleistungen und halten einem vergleichenden Rechenexempel mit Konditionen von Hausbanken oder Inkassobüros durchaus stand.