Steuerliche Besonderheiten beim Factoring

Die Veräußerung von Forderungen, also das Factoring, gewinnt bei Unternehmen aus Handel, Produktion und Dienstleistung immer mehr an Beliebtheit. Beim traditionellen Factoringvertrag verkauft ein Unternehmen beispielsweise seine Forderungen aus Lieferung und Leistung an einen Factor. Als Gegenleistung erhält das Unternehmen seinen Forderungsbetrag, der lediglich um eine Factoringgebühr zwischen 0,1 % und 2 % reduziert wurde.

Je nach Variante kommen dem Factoring verschiedene Funktionen zu: In erster Linie sorgt die Finanzierungsfunktion unmittelbar nach Rechnungserteilung für finanzielle Liquidität. Durch die Übernahme der Debitorenbuchhaltung kommt dem Factoring jedoch auch eine Dienstleistungsfunktion zu, durch die Personal und Arbeitszeit eingespart bzw. flexibel eingesetzt werden kann. Die wohl wichtigste Funktion des klassischen Factorings ist dennoch die Delkrederefunktion, durch die der Factor dank Übernahme des Ausfallrisikos auch vor Forderungsausfällen schützt.

Nicht zuletzt kann Factoring auch aus steuerlicher Sicht Vorteile bieten, die sich jedoch nach der jeweiligen Factoringvariante richten:

Umsatzsteuerberichtigung bei Forderungsausfall

Beim echten Factoring werden die veräußerten Forderungen zum Zeitpunkt des Eigentumsübergangs auf den Factor in der Bilanz ausgebucht. Eine besondere Behandlung kommt Forderungsausfällen bei der Umsatzsteuer zu. Auch wenn der Factor beim Ankauf der Forderungen das Risiko übernimmt, dass Zahlungen ausfallen, darf das Unternehmen die Umsatzsteuer entsprechend berichtigen.

Zunächst ist es das Unternehmen, das mit seinem Kunden ein Vertragsverhältnis eingeht. Darüber hinaus ist dieses Vertragsverhältnis regelmäßig zu dem Zeitpunkt entstanden, zu dem der Factor noch nicht Eigentümer der Forderung war. Daraus resultiert, dass dann auch nur das Unternehmen bei Zahlungsausfällen die Umsatzsteuer beim Finanzamt zurückfordern kann. Factoringkunden sollten sich daher immer beim Factor nach entsprechenden Forderungsausfällen erkundigen.

Unterschiede zwischen echtem und unechtem Factoring

Beim echten Factoring überträgt der Factoringkunde dem Factor bei Verkauf seiner Forderungen auch das Ausfallrisiko. Der Forderungsverkauf nach §§ 433, 398 BGB mit Risikoübernahme hat zur Folge, dass die veräußerten Forderungen nicht mehr in der Unternehmensbilanz erscheinen und die Bilanzsumme reduzieren. Bei konstantem Eigenkapital ergibt sich bei reduzierter Bilanzsumme eine Erhöhung in der Eigenkapitalquote, die wiederum eine wesentliche Komponente im Bilanzrating einnimmt.

Im Rahmen des unechten Factorings überträgt der Factoringkunde dem Factor zwar seine Forderungen, bleibt jedoch Eigentümer des Ausfallrisikos. Behandelt wird das unechte Factoring als Kreditgeschäft nach § 607 BGB, sodass auch die Forderungen nicht ausbilanziert werden können. Für die Wahrscheinlichkeit von Forderungsausfällen müssen darüber hinaus nach § 249 HGB Rückstellungen gebildet werden.

Umsatzsteuerrechtliche Unterschiede

Noch bis zum Jahr 2004 gab es in Bezug auf Factoring gravierende Nachteile, da Factoringgesellschaften für ihre Factoringgebühren keine Umsatzsteuer auf den Rechnungen ausweisen durften. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH, Rs. C-305/01) hat diesen Mangel letztendlich – ebenfalls durch die Unterteilung in Factoringvarianten – beseitigt:

Factoringgesellschaften, die neben der Forderung auch das Ausfallrisiko übernehmen und ihren Factoringkunden hierfür Entgelte berechnen (echtes Factoring), sind umsatzsteuerpflichtig. Rechnungen ohne ausgewiesene Umsatzsteuern dürfen demnach nur Factoringgesellschaften ausstellen, die das Ausfallrisiko nicht übernommen haben (unechtes Factoring). In diesen Fällen handelt es sich um eine umsatzsteuerfreie Kreditgewährung.

Nicht zuletzt kann Factoring indirekt auch die Gewerbesteuerlast reduzieren, indem die zur Verfügung gestellten Mittel dazu verwendet werden, Dauerschulden des Unternehmens zu tilgen und entsprechend zu reduzieren.