Zahlungsziele in Unternehmen und beim Factoring

Von den meisten Factoringgesellschaften werden Zahlungsziele bis zu 90 Tagen für inländisch begründete Forderungen akzeptiert. Hintergrund für diese Voraussetzungen sind die Vorschriften des KWG (Gesetz über das Kreditwesen). Bei längeren Zahlungszeiträumen und damit zugleich auch längeren Finanzierungszeiträumen würden Factoringverträge in die Sparte der Kreditgeschäfte eingeordnet, wofür eine Banklizenz erforderlich wäre. Je nach Anbieter und Factoringvariante können Forderungsverkäufe, die unter ausländische Rechtsvorschriften fallen, auch länger finanziert werden.

Zahlungsziele – oft ein schmaler Grat

Zahlungsziele gehören zu den sensibelsten Planungen eines Unternehmens. Aus ihnen ergeben sich einerseits existenzielle Faktoren für den Erfolg, was beispielsweise finanzielle Liquidität und unternehmerisches Risiko betrifft. Andererseits sind Zahlungsziele wichtig, um dauerhaft Kunden an das Unternehmen zu binden. Umso längere Zahlungsziele den Kunden gewährt werden, desto komfortabler empfinden diese regelmäßig die Geschäftsbeziehung. Darüber hinaus drücken Unternehmen dadurch auch ihre Wertschätzung aus und zeigen ihr Vertrauen.

Funktioniert der vielleicht gut durchdachte Plan mit den Zahlungszielen nicht, besteht die Gefahr von Engpässen. Kapital muss beschafft werden, um vielleicht Kredite und Fixkosten zeitgerecht bedienen zu können. Auch die Insolvenz eines Unternehmen können falsch gewählte Zahlungsziele zur Ursache haben.

Ursachen für Liquiditätsengpässe

Die Zahlungsmoral in Deutschland hat in den letzten Jahren sehr gelitten. Tendenziell werden Rechnungen heutzutage erst dann bezahlt, wenn die Zahlung schon ein bis zwei Mal angemahnt worden ist. Grund hierfür scheint die unsichere und schwierige Wirtschaftslage zu sein. Viele Schuldner denken, wenn sie das Zahlungsziel möglichst weit nach hinten verschieben, könnten sie sich ein finanzielles Polster für Notfälle sichern.

Kleinere und mittelständische Unternehmen sind darüber hinaus nicht selten von Großbetrieben abhängig, die ihre Zahlungsziele rigoros durchsetzen. Die Verschiebung und Verzögerung von Zahlungen löst dadurch immer Kettenreaktionen aus, die letztendlich niemandem dienlich sind und nur weitere Kosten entstehen lassen.

Unternehmerische und gesetzliche Zahlungsfristen

Individuelle Zahlungsziele sollten strikt von den gesetzlich vorgeschriebenen Fristen abgegrenzt werden. Die gesetzliche Zahlungsfrist beträgt aktuell 30 Tage nach Eingang der Abrechnung. Versäumt das schuldende Unternehmen diese Frist, befindet es sich automatisch in Zahlungsverzug. Dennoch lassen viele Schuldner die gesetzlich festgelegten Fristen ohne Zahlung verstreichen. In Anbetracht der Tatsache, dass Mahnverfahren enorm lange dauern und die Kundenbeziehung dadurch nachhaltig geschädigt wird, sollte über eine Optimierung der Zahlungsziele nachgedacht werden.

Durch eine geschickte Planung lässt sich die Durchsetzung von Zahlungszielen deutlich verbessern. Dabei sollte das Gespräch mit dem Kunden gesucht werden, um die Möglichkeit von individuellen Zahlungszielen zu erörtern. Ein Zahlungsziel von 45 Tagen statt der gesetzlichen 30-Tages-Frist könnte beispielsweise die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Zahlung fristgerecht eingeht. Eine andere Möglichkeit ist die Gewährung von Skonti bei überdurchschnittlich früher Zahlung.

Bei Kunden, die bereits durch eine negative Zahlungsmoral auffällig geworden sind, ist jedoch nach wie vor schnelles Handeln erforderlich. Unmittelbar nach Verstreichen der Zahlungsfrist sollte eine Mahnung erfolgen.

Durch die Optimierung der Zahlungsziele wird auch ein Gefühl dafür entwickelt, welche Kunden sich vielleicht nur vorübergehend in Liquiditätsengpässen befinden. In einem persönlichen Gespräch kann auch hier noch eine entgegenkommende Regelung getroffen werden, an die sich der Schuldner jedoch verbindlich zu halten hat.

Sichere Zahlungen nur bei Factoring

Um allen möglichen Problemen rund um die Zahlungsziele aus dem Weg zu gehen, bietet sich das Factoring an. Beim Forderungsverkauf ist es nämlich auch möglich, sich gegen Zahlungsausfälle abzusichern. Hierfür wird neben der eigentlichen Forderung auch das Ausfallrisiko (Delkredererisiko) an den Factor übertragen. Factoringkunden erhalten ihre Rechnungssummen in der Regel innerhalb von 48 Stunden nach Rechnungsstellung.

Um die Geltendmachung der Ansprüche inklusive der Debitorenbuchhaltung kümmert sich dann – je nach Vertragskonstellation – ebenfalls der Factor.