Kapitalfreisetzung durch Factoring

Bei der auch als Umschichtungsfinanzierung bekannten Kapitalfreisetzung wird kein zusätzliches Kapital erwirkt, sondern innerhalb des Unternehmens gebundenes Kapital in liquide Mittel umgewandelt. Alternativ wird die Kapitalfreisetzung auch als Vermögensumschichtung bezeichnet, da innerhalb des Unternehmens befindliches und erwirtschaftetes Kapital vor dem Hintergrund der Freisetzung verlagert wird. Die Kapitalfreisetzung stellt demnach eine Innenfinanzierung dar.

Zu den Maßnahmen einer Kapitalfreisetzung gehören

  • die Reduzierung der allgemeinen Kapitalbindung,
  • ie Vermögensveräußerung sowie
  • die Nutzung von Abschreibungen.

Insbesondere der Bereich der Kapitalbindung innerhalb von Unternehmen bietet zahlreiche Möglichkeiten, Kapital freizusetzen, wozu u.a. auch das Factoring gehört.

Kapital oft in offenen Forderungen gebunden

In Unternehmen ist ein Großteil des Kapitals in dem Zeitraum zwischen Rechnungserstellung und Bezahlung seitens der Unternehmenskunden gebunden. Die offenen Forderungen fallen umso mehr ins Gewicht, sofern den Kunden ein überdurchschnittlich langes Zahlungsziel eingeräumt wird. Mitunter werden Zahlungsziele nicht nur vollständig ausgeschöpft, sondern auch überschritten. Ist dies der Fall oder fallen sogar Zahlungen vollständig aus, rückt die Kapitalbindung schnell in eine erhebliche Größenordnung.

Unternehmenskunden zur schnelleren Zahlung veranlassen

Zunächst ist es möglich, die Kunden des Unternehmens durch die Verkürzung der gewährten Zahlungsfristen zu einer schnelleren Bezahlung von Rechnungen zu veranlassen. Jedoch zeigen sich insbesondere Stammkunden von einer derartigen Änderung in der Geschäftsbeziehung selten erfreut. Eine plötzliche Änderung der Zahlungsziele kann bei Kunden das unangenehme Gefühl hervorrufen, dem Unternehmen ginge es wirtschaftlich nicht gut.

Des Weiteren kann eine optimierte Buchhaltung inklusive Mahnwesen dazu beitragen, dass offene Forderungen schneller ausgeglichen werden. Zu diesem Zweck sollten Zahlungseingänge tagtäglich kontrolliert und auf die Einhaltung von Zahlungsfristen geachtet werden. Schon kurz nach Versäumen der gesetzten Zahlungsfrist besteht Handlungsbedarf, was Zahlungserinnerungen, Mahnungen und andere Beitreibungsmaßnahmen betrifft.

Komfortlösung Factoring

Weitaus komfortabler für eine Kapitalfreisetzung aus offenen Posten ist das Factoring. Hierbei verkauft das Unternehmen seine Forderungen aus Lieferung, Leistung oder Dienstleistung an eine Factoringgesellschaft, die ihrerseits innerhalb von 48 Stunden 80 % bis 90 % der Forderung an das Unternehmen ausgleicht. Der Restbetrag dient der Factoringgesellschaft als Sicherheit für potenzielle Regresse, Rückgaben oder Gewährleistungsansprüche und wird abzüglich der Factoringgebühren dann ausgezahlt, wenn das dem Endkunden gewährte Zahlungsziel eintritt.

Die Unternehmenskunden selbst profitieren weiterhin von den gewohnten Zahlungszielen. Die Factoringgesellschaft gewährleistet im Wege einer Vorfinanzierung einen kurzfristigen Ausgleich und versorgt das Unternehmen mit entsprechender Liquidität. Eine Besonderheit des Forderungsverkaufs ist jedoch auch die Möglichkeit, beim Verkauf zugleich auch das Risiko von Zahlungsausfällen zu übertragen. Mit der Übernahme des Delkredererisikos ist das Unternehmen vor Ausfällen geschützt und bindet deutlich weniger Kapital.

Auslagerung von Unternehmenszweigen

Zusätzlich zum sofortigen Rechnungsausgleich und der Übernahme des Ausfallschutzes bietet das Factoring auch verschiedene Dienstleistungsfunktionen. Im Rahmen des Full-Service-Factorings kann beispielsweise die Factoringgesellschaft auch das Debitorenmanagement des Unternehmens übernehmen. Hierzu gehören u.a. auch die Kontrolle der Zahlungseingänge, das Mahnwesen sowie die außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung von Ansprüchen.

Da das Factoringunternehmen das Delkredere übernommen hat, ist die Zahlung für das Unternehmen zu jedem Zeitpunkt sichergestellt. Naturgemäß fallen dann auch keine zusätzlichen Kosten für Mahnungen, Zwangsvollstreckungen oder andere Maßnahmen der Beitreibung an. Abgegolten werden alle Dienstleistungen mit der Factoringgebühr, die je nach Vertragsvariante zwischen 0,1 % und 2,5 % der Forderungssummen beträgt.