Stilles Factoring

 

Stilles Factoring Definition

Beim stillen Factoring veräußert das Unternehmen seine offenen Forderungen an den Factor, ohne dass die Kunden darüber in Kenntnis gesetzt werden. Denn je nach Branche können Kunden sensibel reagieren, wenn sie von der Hinzuziehung eines Factors bemerken. Auch wird es oft problematisch, wenn für Forderungen ein Abtretungsverbot vereinbart worden ist, was häufig bei Geschäften mit Kunden aus dem öffentlichen Bereich der Fall sein kann. In diesen Fällen ist auch nach der Rechtsprechung zu § 354 a HGB das sogenannte stille oder auch verdeckte Factoring eine Alternative.


 

Ablauf des diskreten Forderungsverkaufs im Unternehmen

Beim stillen Verfahren schickt der Factor den Schuldnern die vom Unternehmen vorbereiteten Rechnungen in neutralen Briefumschlägen und bittet um Ausgleich der fälligen Beträge. Bei der in den Rechnungen genannten Bankverbindung handelt es sich regelmäßig um ein vom Unternehmen errichtetes Sonderkonto, das jedoch an den Factor abgetreten wurde. Kontoinhaber ist dennoch das Unternehmen, sodass die Schuldner auch in diesem Bereich keine Hinweise auf den Forderungsverkauf erhalten.

Für die Kunden des Unternehmens ändert sich nichts. Das Unternehmen erhält hingegen innerhalb von durchschnittlich 48 Stunden einen Großteil der Rechnungssummen und kann frei darüber verfügen. Den Kunden selbst wird das normale Zahlungsziel eingeräumt, was auch zur Kundenbindung dient. Die kontinuierlich auf diese Weise zur Verfügung gestellte Liquidität macht Unternehmen unabhängig von anderen Finanzierungsformen und dient neben der professionellen Unternehmensführung auch dem Wachstum.

 

Verdecktes Factoring aus Sicht des Factors

Für den Factor ist stilles Factoring mit einigen Risiken verbunden. Die Gesellschaft muss auf die Verifizierung der Forderungen verzichten und kann lediglich Nachforschungen über den jeweiligen Schuldner anstellen. Verglichen mit einem Blanko-Ankauf der Rechnungssummen leistet der Factor innerhalb kürzester Zeit je nach Vertragskonstellation bis zu 100 % der Forderung an das Unternehmen.

Verdecktes Factoring wird in der Regel als Inhouse Factoring durchgeführt, sodass auch die Kommunikation mit den Schuldnern sowie Buchhaltungsarbeiten und Inkassomaßnahmen dem Unternehmen selbst obliegen.

 

Voraussetzungen für stilles Factoring

Stilles Factoring ist daher mit höheren Anforderungen an die Bonität verbunden und eignet sich demnach nicht für jedes Unternehmen. Grundvoraussetzungen für das stille Verfahren sind ausreichende Eigenkapitalquoten, optimale Gewinnsituationen sowie positive Geschäftsentwicklungen eines soliden und professionell geführten Unternehmens. Das mit der verdeckten Variante verbundene Risiko macht sich auch bei den Factoringgebühren bemerkbar, die in der Regel höher ausfallen als bei anderen Factoring Arten.

 

Stilles Factoring in der Übersicht

  • Offene Forderungen werden ohne Information an Unternehmenskunden an Factor veräußert
  • Legitime Möglichkeit, Abtretungsverbote zu umgehen
  • Hohe Anforderungen an interessierte Unternehmen
  • Keine Auswirkungen auf die Kundenbindung
  • Schneller und unkomplizierter Liquiditätsfluss