Factoring für Rechtsanwälte

 

Factoring für Anwälte als Geheimnisträger – ist das erlaubt? Die Antwort auf diese Frage lautet seit dem 17.12.2007: Ja, auch Rechtsanwälte dürfen offene Forderungen an ein Factoringunternehmen verkaufen. An diesem Tag fand eine Änderung des § 49b IV Satz 2 BRAO statt, die Anwaltskanzleien den Forderungsverkauf an einen Factor erlaubt. Bis zu der Änderung durften Anwälte offene Forderungen nur an einen anderen Rechtsanwalt abtreten, um die Verschwiegenheitspflicht zu gewährleisten. Das hat sich mit der Gesetzesnovelle geändert, sodass Factoring für Rechtsanwälte seitdem möglich ist.


 

Was ist Factoring für Rechtsanwälte?

Factoring ist der Verkauf offener Forderungen an ein Finanzinstitut. Für Anwälte übernimmt unter anderem die Anwaltliche Verrechnungsstelle (AnwVS) in Köln den Ankauf offener Forderungen. Aber auch andere Factoring Unternehmen bieten spezielle Dienstleistungen wie Factoring für Anwaltskanzleien, Factoring für Steuerberater und weitere beratende Berufe an. Durch den Verkauf offener Rechnungen erhalten die Kreditoren sofort die Rechnungsbeträge und müssen nicht bis zum Erreichen des Zahlungsziels warten. Das steigert die Liquidität und sorgt dafür, dass sich der Anwalt auf die Beratung seiner Klienten konzentrieren kann. Factoring für Rechtsanwälte bietet außerdem weitere Vorteile, wobei Sie aber auch einige Nachteile beachten müssen.

 

Vorteile und Nachteile für den Rechtsanwalt

Zu den größten Vorteilen von Factoring für Rechtsanwälte zählt der schnelle Zahlungseingang. Schon kurze Zeit nach Einreichung der offenen Rechnungen überweist der Factor den Rechnungsbetrag. Einige Anbieter übernehmen zusätzlich weitere Dienstleistungen, wie Forderungsmanagement und Delkredererisiko. In diesem Fall schließen die Beteiligten einen Vertrag über Full Service Factoring ab. Die Abgabe des Debitorenmanagements sorgt für eine spürbare Entlastung der eigenen Buchhaltung und verringert Forderungsausfälle.

 

Was kostet Factoring?

Je mehr Dienstleistungen das Factoringunternehmen übernimmt, umso höher fallen die Factoring Kosten aus. Die Bearbeitungsgebühren des Factors für Forderungsmanagement, Bonitätsprüfung der Debitoren und Zinsen für die Vorfinanzierung zählen daher zu den Nachteilen, mit denen ein Anwalt rechnen muss. Hier empfiehlt sich ein Vergleich mit den Zinsen für einen Kontokorrentkredit oder ein Bankdarlehen.

Wenn es sich um stilles Factoring handelt, erfährt der Mandant nichts von dem Verkauf der Forderung. Beim offenen Factoring hingegen wird der Schuldner über die Forderungsabtretung informiert. Hier befürchten einige Rechtsanwälte einen Imageschaden oder die Streuung von Gerüchten.

 

Welche Auswirkungen hat Factoring auf die Mandanten?

Wie die Praxis zeigt, erkennen viele Mandanten Factoring als moderne Finanzierungsform an und ziehen keine negativen Schlüsse über die Bonität des Rechtsanwalts. Für die Zahlungspflichtigen ändert sich nur die Bankverbindung, an die sie bei Fälligkeit den Rechnungsbetrag überweisen müssen. Kommt es bei verspäteter Zahlung zu Mahnungen oder sogar zum Inkasso, tritt der Factor als Gegner auf und der Mandant behält den Anwalt nicht in schlechter Erinnerung.

 

Wann ist der Forderungsverkauf für Rechtsanwälte sinnvoll?

Unter diesen Voraussetzungen lohnt es sich für Sie, die Rechnung für ein Mandat an einen Factor zu verkaufen:

  • Ihr Mandant fragt nach einem Zahlungsziel
  • Sie beraten Klienten mit schlechter Bonität
  • Sie möchten die Verwaltungskosten Ihrer Buchhaltung senken
  • Sie möchten Ihre Bilanz verbessern