Factoring für Ärzte

 

Was ist Factoring für Ärzte?

Factoring ist der Verkauf offener Rechnungen an eine Bank oder ein Factoringunternehmen. Bei Betrieben in der Wirtschaft ist der Forderungsverkauf schon seit vielen Jahren üblich. Doch auch immer mehr Mediziner nutzen Factoring im Gesundheitswesen zur kurzfristigen Umsatzfinanzierung. Offene Rechnungen von Patienten entstehen durch die sogenannten IGeL-Leistungen. Dabei handelt es sich um ärztliche Leistungen, deren Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Stattdessen stellt der Arzt seinen Patienten eine Privatrechnung aus, die häufig ein Zahlungsziel enthält. Um die offenen Forderungen in Liquidität zu verwandeln, können Arztpraxen die Rechnungen an eine privatärztliche Abrechnungsstelle oder an ein Factoringunternehmen verkaufen.

 

Schnelle Liquidität durch Factoring für Ärzte

Privatärztliche Abrechnungsstellen werden auch als privatärztliche Verrechnungsstellen (PVS) bezeichnet. Es handelt sich um Dienstleistungsunternehmen, die für Arztpraxen Rechnungen für Privatpatienten und für die IGeL-Leistungen gesetzlich versicherter Patienten ausstellen und versenden. Einige Abrechnungsstellen kaufen die Forderungen auch an und überweisen sofort circa 80 % der Rechnungssumme an den Arzt. Der restliche Betrag folgt bei Fälligkeit der Rechnung. Das erhöht die Liquidität der Praxis und sorgt für weniger Verwaltungsaufwand für das Praxisteam. Allerdings müssen die Mediziner zwei wichtige Punkte beachten, bevor sie Factoring zur kurzfristigen Umsatzfinanzierung einsetzen:

  • Abschluss eines Factoringvertrages mit einem Factoringanbieter
  • Schriftliche Zustimmung des Patienten zum Forderungsverkauf

Einen Factoringvertrag müssen auch Unternehmen aus der Wirtschaft abschließen. Sowohl bei Medizinern als auch bei Unternehmern beinhaltet der Vertrag sämtliche Einzelheiten des Forderungsankaufs, wie Art der Forderung, Verität, Gebühren, Zinssatz, Laufzeit, Höchstbetrag der angekauften Rechnungen und sonstige Bedingungen. Die schriftliche Zustimmung der Debitoren muss nur beim ärztlichen Factoring erfolgen.

 

Kein stilles Factoring für Ärzte

Unternehmen sind nicht verpflichtet, die Debitoren über den Verkauf der offenen Rechnungen zu informieren. In dem Fall schließt der Unternehmer einen Vertrag über stilles Factoring mit dem Factor ab. Anders sieht es bei Arztpraxen aus: Die Mediziner müssen ihre Patienten über die Forderungsabtretung informieren. Außerdem müssen die Debitoren schriftlich bestätigen, dass sie mit der Weitergabe ihrer Daten an einen Factor oder eine privatärztliche Abrechnungsstelle einverstanden sind. Ein möglicher Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen zählt daher zu den wenigen Nachteilen, die ärztliches Factoring bietet.

 

Vorteile und Nachteile von Factoring für Ärzte

Aufgrund der Datenschutzbestimmungen müssen Mediziner darauf achten, ihre Patienten angemessen zu informieren. Ein Aushang im Wartezimmer reicht nicht aus! Die Debitoren müssen mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie informiert wurden und mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden sind. Sobald die Unterschrift geleistet wurde, können die Arztpraxen von den vielen Vorteilen profitieren, die ihnen Factoring bietet.
 
Neben der schnellen Steigerung der Liquidität enthält Factoring weitere Leistungen, die eine Praxis unterstützen. Vor allem Full Service Factoring entlastet das Forderungsmanagement einer Arztpraxis. Der Factor übernimmt die Überwachung des Zahlungseingangs bei Fälligkeit der Rechnung. Auch Mahnungen und Inkassomaßnahmen gehören zu den Dienstleistungen des Factoringanbieters. Außerdem übernimmt der Factor das Ausfallrisiko, falls der Patient die Rechnung nicht bezahlt. Der Arzt kann also mit einem schnellen und zuverlässigen Zahlungseingang rechnen und muss keinen Zahlungsausfall befürchten. Das erhöht die Liquidität der Praxis und erspart dem Praxisteam viel Arbeit!